Dein Pferd wird im Herbst dünner – obwohl es genug frisst?

Du hast das Gefühl, dein Pferd frisst eigentlich genug – und trotzdem wird es im Herbst plötzlich schlanker?

Dann lohnt sich ein genauerer Blick. Denn „es bekommt genug Futter“ bedeutet nicht automatisch, dass es auch ausreichend Energie aufnimmt oder die Nährstoffe optimal verwerten kann.

Gerade im Herbst verändert sich für viele Pferde einiges: Die Temperaturen sinken, das Grasangebot verändert sich, der Fellwechsel läuft und manchmal ändern sich auch Haltung und Bewegung.

Aber woran kann es liegen, wenn dein Pferd plötzlich an Gewicht verliert?

1. Heu ist nicht gleich Heu

Ein Punkt, den ich bei der Fütterung immer wieder wichtig finde: Die Menge allein sagt noch nicht alles aus.

Zwei Pferde können dieselbe Menge Heu bekommen und trotzdem unterschiedlich auf diese Fütterung reagieren.

Denn Heu kann sich deutlich in seinem Energie- und Nährstoffgehalt unterscheiden. Pflanzenbestand, Schnittzeitpunkt, Erntebedingungen und Lagerung spielen dabei eine Rolle.

Wenn dein Pferd trotz ausreichender Heumenge abnimmt, lohnt es sich deshalb, die Qualität des Raufutters genauer anzuschauen. Auch eine Heuanalyse kann helfen, den Nährstoffgehalt besser einzuschätzen.

2. Der Fellwechsel kostet den Körper etwas

Im Herbst stellt sich das Fell deines Pferdes auf die kältere Jahreszeit ein. Dafür benötigt der Körper Energie und Nährstoffe.

Der Fellwechsel allein erklärt allerdings nicht automatisch einen deutlichen Gewichtsverlust. Wenn dein Pferd sichtbar dünner wird, solltest du deshalb nicht einfach davon ausgehen, dass es nur am Fellwechsel liegt.

Statt sofort irgendein Zusatzfutter in den Trog zu kippen, würde ich zunächst prüfen, ob die vorhandene Ration den Bedarf deckt und ob es weitere Auffälligkeiten gibt.

Erst herausfinden, wo das Problem liegt – dann gezielt etwas verändern.

3. Kältere Temperaturen können den Energiebedarf erhöhen

Wenn es kälter wird, muss der Körper unter bestimmten Bedingungen mehr Energie aufwenden, um seine Temperatur zu halten.

Wie stark sich das auswirkt, hängt von mehreren Faktoren ab: Fell, Körperzustand, Alter, Gewöhnung an das Klima sowie Wind, Nässe und verfügbener Wetterschutz.

Ein Pferd mit dichtem Winterfell und einem geschützten Unterstand hat andere Voraussetzungen als ein geschorenes oder sehr schlankes Pferd, das Wind und Regen ausgesetzt ist.

Deshalb gibt es auch nicht die eine pauschale Antwort auf die Frage:

„Wie viel mehr muss ich im Winter füttern?“

Entscheidend ist, wie sich der Körperzustand deines Pferdes entwickelt und ob die Energieaufnahme zum tatsächlichen Bedarf passt. Wenn zusätzliche Energie benötigt wird, ist Raufutter häufig ein sinnvoller Ansatzpunkt. Welche Anpassung geeignet ist, hängt aber vom einzelnen Pferd ab.

4. Vielleicht frisst dein Pferd weniger, als du denkst

Du weißt vielleicht, wie viel Heu bereitgestellt wird. Aber weißt du auch, wie viel dein Pferd tatsächlich aufnimmt?

Gerade bei Gruppenhaltung oder mehreren Futterstellen ist das manchmal gar nicht so einfach einzuschätzen. Rangordnung, Konkurrenz am Fressplatz oder eingeschränkter Zugang zum Futter können dazu führen, dass ein Pferd weniger frisst als angenommen.

Deshalb würde ich genauer beobachten:

  • Wie viel Heu bekommt mein Pferd tatsächlich?
  • Wie lange steht ihm Raufutter zur Verfügung?
  • Kann es in Ruhe und ohne Konkurrenz fressen?
  • Gibt es lange Fresspausen?
  • Hat sich an der Haltung oder Gruppenzusammensetzung etwas verändert?

Manchmal liegt die Lösung nicht darin, einfach Kraftfutter hinzuzufügen, sondern zunächst die tatsächliche Futteraufnahme zu überprüfen.

5. Manchmal steckt etwas anderes dahinter

Nicht jeder Gewichtsverlust im Herbst lässt sich mit der Jahreszeit erklären.

Auch Zahnprobleme, Parasiten, Verdauungsstörungen, chronische Schmerzen oder andere Erkrankungen können dazu beitragen, dass ein Pferd abnimmt oder Futter nicht ausreichend verwerten kann.

Wenn dein Pferd deutlich oder schnell Gewicht verliert, schlecht frisst oder sich weitere Veränderungen bei Kot, Verhalten oder Allgemeinzustand zeigen, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.

Gerade bei älteren Pferden ist es wichtig, Gewichtsveränderungen nicht einfach als normale Alterserscheinung abzutun.

Fütterung kann viel beeinflussen – aber sie kann nicht jedes gesundheitliche Problem lösen.

Was kannst du jetzt tun?

Wenn dir auffällt, dass dein Pferd im Herbst dünner wird, würde ich nicht einfach blind die Futtermenge erhöhen. Ich würde mir zuerst die gesamte Situation anschauen.

1. Körperzustand

Hat dein Pferd tatsächlich abgenommen oder wirkt es durch das veränderte Fell nur anders? Taste die Rippen und beurteile den Körperzustand regelmäßig. Das Winterfell kann Veränderungen optisch verdecken.

2. Heu

Wie viel bekommt dein Pferd, und welche Qualität hat das Raufutter? Bei Bedarf kann eine Heuanalyse weitere Informationen liefern.

3. Tatsächliche Futteraufnahme

Kann dein Pferd ausreichend und möglichst stressfrei fressen? Gibt es Konkurrenz oder längere Fresspausen?

4. Haltung und Bewegung

Hat sich etwas verändert? Ist dein Pferd länger draußen, bewegt es sich mehr oder hat sich die Gruppensituation geändert?

5. Wetter und Schutz

Wie gut kommt dein Pferd mit Wind, Regen und Kälte zurecht? Hat es ausreichend Schutz und kann es sein Futter ungestört aufnehmen?

6. Weitere Auffälligkeiten

Frisst dein Pferd normal? Hat sich der Kot verändert? Wirkt es müder oder zeigt es andere Veränderungen?

Erst wenn diese Punkte zusammen betrachtet werden, lässt sich sinnvoll entscheiden, ob und an welcher Stelle die Fütterung angepasst werden sollte.

Zusammenfassung

Ein Pferd, das im Herbst dünner wird, braucht nicht automatisch mehr Kraftfutter.

Mögliche Gründe sind ein steigender Energiebedarf, die Qualität des Heus, eine geringere tatsächliche Futteraufnahme oder gesundheitliche Probleme. Manchmal kommen mehrere Faktoren zusammen.

Deshalb finde ich es wichtig, nicht einfach nach dem Motto „Pferd wird dünn – mehr Futter“ zu handeln.

Erst hinschauen. Dann verstehen. Und anschließend gezielt verändern.

Denn eine gute Pferdefütterung beginnt für mich nicht mit dem nächsten Futtersack, sondern mit dem Blick auf das gesamte Pferd und seine Lebenssituation.

Du möchtest wissen, ob die aktuelle Ration deines Pferdes wirklich zu seinem Bedarf passt?

Im Fütterungs-Check schauen wir genauer hin: Wo ist dein Pferd gut versorgt, wo gibt es mögliche Über- oder Unterversorgungen und wo lohnt sich ein genauerer Blick?

Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Bei deutlichem oder anhaltendem Gewichtsverlust sollte dein Pferd tierärztlich untersucht werden.

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