24 Stunden Heu – warum lange Fresspausen für Pferde problematisch sein können

Wie lange ist „gerade erst“ eigentlich her?

Wer ein Pferd hält, kennt vielleicht diese Situation: Das Heu ist schon wieder leer, obwohl doch gefühlt erst vor Kurzem gefüttert wurde.

Pferde sind darauf ausgelegt, über viele Stunden am Tag kleine Mengen Raufutter aufzunehmen. Unter natürlichen Bedingungen verbringen sie einen großen Teil ihrer Zeit mit Fressen und der Suche nach geeignetem Futter.

Unser Stallalltag sieht häufig anders aus. Feste Fütterungszeiten, begrenzte Raufuttermengen und lange Zeiträume ohne Futter können dazu führen, dass Pferde deutlich weniger Zeit mit Fressen verbringen, als es ihrem natürlichen Verhalten entspricht.

Pferde sind keine „Drei-Mahlzeiten-Tiere“

Für uns Menschen sind Frühstück, Mittagessen und Abendessen völlig normal. Beim Pferd ist das Fressverhalten anders angelegt.

Pferde nehmen natürlicherweise viele kleine Portionen über den Tag und die Nacht verteilt auf. Beim Kauen wird Speichel produziert, der unter anderem dazu beiträgt, die Magensäure zu puffern. Gleichzeitig ist der Verdauungstrakt an eine faserreiche Ernährung angepasst.

Lange Fresspausen sind deshalb nicht einfach nur eine Frage von ein bisschen Hunger. Sie können das Wohlbefinden und die Gesundheit beeinträchtigen. Studien und Fachleitlinien weisen darauf hin, dass längere Zeiträume ohne Raufutter mit gesundheitlichen und verhaltensbezogenen Problemen verbunden sein können.

Das bedeutet nicht, dass jedes Pferd jederzeit unbegrenzt Heu aufnehmen muss. Es bedeutet aber, dass die Fressdauer bei der Fütterungsplanung nicht außer Acht gelassen werden sollte.

Was passiert, wenn das Heu ständig leer ist?

Wie problematisch eine Fresspause ist, hängt unter anderem von ihrer Dauer, der gesamten Raufutterversorgung und dem einzelnen Pferd ab.

Wenn Pferde regelmäßig viele Stunden ohne Raufutter verbringen, lohnt es sich deshalb, genauer hinzuschauen.

Denn neben der Verdauung spielt auch das Verhalten eine Rolle. Fressen ist für Pferde eine wichtige natürliche Beschäftigung. Fehlt diese Möglichkeit über längere Zeit, kann das zu Frustration führen und unerwünschte Verhaltensweisen begünstigen.

Manche Pferde werden unruhig oder beschäftigen sich verstärkt mit Gegenständen in ihrer Umgebung. Andere wirken völlig entspannt. Doch ein ruhiges Pferd zeigt nicht automatisch, dass seine Fresspausen unproblematisch sind.

Deshalb sollte man nicht nur beobachten, wie sich das Pferd verhält, sondern auch prüfen, wie lange es tatsächlich ohne Raufutter auskommen muss.

Aber braucht jedes Pferd 24 Stunden Heu?

Auch hier gibt es kein einfaches „Je mehr, desto besser“.

Ein leichtfuttriges Pferd, das bereits deutlich zu viel Gewicht auf den Rippen hat, kann nicht unbedingt unbegrenzt energiereiches Heu aufnehmen, ohne weiter zuzunehmen. Übergewicht kann die Gesundheit beeinträchtigen und sollte deshalb ernst genommen werden.

Die Lösung sollte allerdings nicht darin bestehen, die Raufuttermenge einfach stark zu reduzieren und dafür lange Fresspausen in Kauf zu nehmen.

Stattdessen lohnt sich ein genauer Blick auf die gesamte Situation:

  • Wie hoch ist der Energiegehalt des Heus?
  • Welche Raufuttermenge benötigt das Pferd?
  • Wie ist seine Körperkondition?
  • Wie lässt sich die Fressdauer verlängern?
  • Wie viel Bewegung bekommt das Pferd?
  • Wie sieht die gesamte Haltung aus?

Bei Pferden mit Übergewicht oder Stoffwechselproblemen ist eine individuell abgestimmte Fütterungsplanung besonders wichtig. Ziel ist es, die Energieaufnahme passend zu gestalten und gleichzeitig eine ausreichende Raufutterversorgung sowie möglichst lange Fresszeiten zu ermöglichen.

Fresszeit verlängern statt einfach weniger geben

Gerade bei leichtfuttrigen Pferden kann es sinnvoll sein, die verfügbare Raufuttermenge so anzubieten, dass das Pferd länger damit beschäftigt ist.

Dafür kommen je nach Haltung beispielsweise mehrere Fressstellen, geeignete Slowfeeder oder passende Heunetze infrage. Auch die Verteilung der Raufutterration über mehrere Fütterungszeiten kann helfen, lange Pausen zu vermeiden.

Dabei muss die Lösung zum jeweiligen Pferd passen. Heunetze sollten sicher angebracht sein und dürfen keine unnötige Verletzungsgefahr darstellen. Außerdem muss sichergestellt sein, dass das Pferd ausreichend Futter aufnehmen kann und nicht übermäßig lange benötigt, um an seine Ration zu gelangen.

Das Ziel sollte nicht sein: „Mein Pferd soll möglichst wenig fressen.“

Sondern: „Wie kann mein Pferd seine benötigte Raufuttermenge möglichst lange und pferdegerecht aufnehmen?“

Bei übergewichtigen Pferden kann auch die Auswahl eines energieärmeren Raufutters sinnvoll sein. Welche Menge und Zusammensetzung geeignet sind, sollte anhand des individuellen Bedarfs beurteilt werden.

Auch Beschäftigung gehört zur Haltung

Hier wird aus einem Fütterungsthema schnell ein Alltagsthema.

Fressen ist für ein Pferd nicht nur Nahrungsaufnahme. Es gehört zu seinem natürlichen Verhalten und nimmt unter natürlichen Bedingungen einen großen Teil des Tages ein.

Deshalb lohnt es sich, bei der Haltung nicht nur auf den Futterplan zu schauen, sondern auch auf die übrigen Lebensbedingungen:

Wie viel bewegt sich mein Pferd? Wie viel Zeit verbringt es mit Fressen? Hat es ausreichend Sozialkontakt? Kann es sich bewegen und seinem natürlichen Verhalten nachgehen?

Diese Aspekte hängen zusammen. Eine gute Pferdehaltung besteht nicht aus einer einzigen perfekten Fütterungsregel, sondern aus mehreren Faktoren, die gemeinsam betrachtet werden müssen.

Bei meinen eigenen Pferden merke ich den Unterschied

Gerade bei Gandhi habe ich gemerkt, wie wichtig mir eine kontinuierliche Raufutterversorgung im Alltag ist.

24 Stunden Heu bedeutet dabei für mich nicht, dass einfach ein riesiger Haufen Heu vor dem Pferd liegen muss. Es geht darum, die Fütterung so zu gestalten, dass das Pferd nicht ständig vor einem leeren Fressplatz steht und die Ration gleichzeitig zu seinem individuellen Bedarf passt.

Was bei einem Pferd gut funktioniert, kann beim nächsten schon wieder anders aussehen. Ein leichtfuttriges Pferd benötigt möglicherweise eine andere Strategie als ein Pferd, das sein Gewicht nur schwer hält.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die Uhr zu schauen, sondern auf das gesamte Pferd: seine Figur, sein Verhalten, seine Ration und seinen Alltag.

Entscheidend ist das Gesamtbild

Eine pferdegerechte Raufutterversorgung bedeutet mehr, als einfach möglichst viel Heu bereitzustellen. Es geht darum, die Bedürfnisse des Pferdes mit seinem tatsächlichen Energiebedarf in Einklang zu bringen.

Lange Fresspausen sollten möglichst vermieden werden. Gleichzeitig müssen Futtermenge und Energiegehalt zur Körperkondition und zur individuellen Situation passen.

Wenn du unsicher bist, ob Raufuttermenge, Fresszeiten und die gesamte Fütterung zu deinem Pferd passen, kann eine strukturierte Überprüfung der bestehenden Ration helfen, mögliche Schwachstellen zu erkennen.

Mit dem Fütterungs-Check von Heu & Herz wird die aktuelle Fütterung rechnerisch überprüft. Dabei werden mögliche Über- und Unterversorgungen sowie Bereiche mit Handlungsbedarf sichtbar gemacht.

Hier erfährst du mehr über den Fütterungs-Check.

Fachliche Quellen und weiterführende Informationen

  • Merck Veterinary Manual: Feeding Practices in Horses and Other Equids. Fachinformationen zu Raufutterversorgung und Fütterungsmanagement. Zur Fachinformation
  • British Horse Society: Feeding Horses. Empfehlungen zur Raufutterversorgung, Körperkondition und Fütterung leichtfuttriger Pferde. Zur Fachinformation
  • University of Minnesota Extension: Using Slow Feed Hay Nets. Informationen zu Slowfeeder-Systemen und deren Einfluss auf die Fressdauer. Zur Fachinformation
  • Müller et al. (2023): The Fibre Requirements of Horses and the Consequences and Causes of Failure to Meet Them. Wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu Faserbedarf, Fressverhalten und möglichen gesundheitlichen Folgen unzureichender Raufutterversorgung. Zur wissenschaftlichen Veröffentlichung

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Fütterungsberatung oder tierärztliche Untersuchung.

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