
Pferd entwurmen: Braucht es wirklich vier Wurmkuren im Jahr?
Pferd entwurmen: Braucht es wirklich vier Wurmkuren im Jahr?
Die Entwurmung gehört für viele Pferdehalter fest zum Jahresplan. Im Frühjahr, im Sommer, im Herbst und noch einmal im Winter – schließlich möchte man sein Pferd vor einem Wurmbefall schützen.
Doch muss jedes Pferd tatsächlich viermal im Jahr entwurmt werden? Und können Kotproben dabei helfen, unnötige Behandlungen zu vermeiden?
Die Antwort ist nicht für jedes Pferd gleich. Alter, Haltung, Weidegang, vorkommende Parasiten und die Situation im gesamten Bestand beeinflussen, welche Entwurmungsstrategie sinnvoll ist.
Fest steht: Ein wirksamer Schutz vor Parasiten bleibt wichtig. Gleichzeitig sollten Wurmmittel gezielt und fachgerecht eingesetzt werden, um die Entwicklung von Resistenzen möglichst wenig zu fördern.
Warum Pferde überhaupt entwurmt werden müssen
Pferde können sich mit verschiedenen Darmparasiten infizieren. Auf der Weide nehmen sie beispielsweise infektiöse Larven mit dem Gras auf. Andere Parasiten haben abweichende Entwicklungszyklen und Übertragungswege.
Ein Wurmbefall ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Manche Pferde zeigen kaum sichtbare Auffälligkeiten. Ein stärkerer Befall kann dagegen die Gesundheit beeinträchtigen und je nach Parasitenart auch zu ernsthaften Erkrankungen führen.
Mögliche Anzeichen wie Gewichtsverlust, Durchfall oder ein schlechter Allgemeinzustand sind allerdings unspezifisch. Sie können viele Ursachen haben und beweisen allein keinen Wurmbefall.
Deshalb sollte die Entscheidung über eine Behandlung nicht ausschließlich davon abhängen, wie ein Pferd aussieht oder ob es Beschwerden zeigt.
Sind vier Wurmkuren im Jahr noch zeitgemäß?
Früher war es verbreitet, erwachsene Pferde pauschal viermal jährlich zu entwurmen. Heute stehen stärker abgestimmte Entwurmungskonzepte im Mittelpunkt.
Der Hintergrund: Bei wiederholtem Einsatz von Wurmmitteln können sich resistente Parasiten entwickeln. Das bedeutet, dass bestimmte Wirkstoffe gegen diese Parasiten nicht mehr ausreichend wirken. Eine Unterdosierung und häufige Behandlungen können die Resistenzentwicklung begünstigen.
Daraus folgt jedoch nicht, dass jedes Pferd möglichst selten entwurmt werden sollte. Auch eine zu geringe oder unpassende Behandlung kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen.
Die Empfehlungen von ESCCAP unterscheiden deshalb verschiedene Vorgehensweisen. Bei erwachsenen Pferden kommen insbesondere die selektive und die strategische Entwurmung infrage. Welche davon geeignet ist, hängt unter anderem vom Alter der Pferde, den Parasiten im Bestand und den Haltungsbedingungen ab.
Vier Wurmkuren sind somit nicht automatisch für jedes erwachsene Pferd notwendig. Genauso wenig lässt sich aber pauschal sagen, dass eine oder zwei Behandlungen grundsätzlich ausreichen. Entscheidend ist ein fachlich abgestimmtes Konzept.
Welche Rolle spielen Kotproben?
Kotproben können helfen, den Parasitenbefall besser einzuschätzen. Im Labor wird der Pferdekot auf bestimmte Parasiten beziehungsweise deren Eier untersucht. Bei entsprechenden Verfahren wird außerdem ermittelt, wie viele Eier pro Gramm Kot ausgeschieden werden.
Die Ergebnisse liefern wichtige Informationen für die Planung der Entwurmung. Sie können beispielsweise zeigen, welche Pferde viele Eier bestimmter Magen-Darm-Parasiten ausscheiden und deshalb gezielt behandelt werden sollten.
Allerdings hat die Untersuchung Grenzen.
Nicht jeder Parasitenbefall lässt sich durch eine einzelne Kotprobe zuverlässig erkennen. Je nach Parasitenart können Eier erst zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgeschieden werden oder in der Probe nur schwer nachweisbar sein. Auch die Menge der ausgeschiedenen Eier lässt keinen sicheren Rückschluss auf die gesamte Anzahl der Würmer im Pferd zu.
Ein unauffälliger Befund bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das Pferd frei von allen relevanten Parasiten ist.
Besonders wichtig ist außerdem, dass nicht alle Wurmarten mit einer gewöhnlichen Kotuntersuchung zuverlässig erfasst werden. Je nach Verdacht können andere Untersuchungsmethoden oder gezielte Behandlungen erforderlich sein.
Selektive oder strategische Entwurmung?
Bei der Entwurmung werden unterschiedliche Konzepte eingesetzt. Zwei davon sind die selektive und die strategische Entwurmung.
Die selektive Entwurmung
Bei der selektiven Entwurmung werden vor allem erwachsene Pferde regelmäßig untersucht und abhängig von den Ergebnissen gezielt behandelt. Das Konzept ist auf bestimmte Magen-Darm-Parasiten, insbesondere kleine Strongyliden, ausgerichtet.
Nach dem ESCCAP-Konzept werden im ersten Jahr vier Kotprobenuntersuchungen zwischen Frühjahr und Herbst durchgeführt. Dabei werden neben der Eizahl der Magen-Darm-Strongyliden auch weitere relevante Parasiten berücksichtigt. Bei entsprechendem Befund wird gezielt behandelt.
Wenn sich die Situation im Bestand als stabil erweist, kann die Häufigkeit der Untersuchungen in den Folgejahren unter tierärztlicher Begleitung reduziert werden. Eine jährliche Entwurmung wird in diesem Konzept unabhängig vom Kotprobenergebnis weiterhin empfohlen.
Die selektive Entwurmung ist also kein Verfahren, bei dem man einfach eine Kotprobe abgibt und bei einem unauffälligen Ergebnis grundsätzlich auf jede Behandlung verzichtet.
Die strategische Entwurmung
Bei der strategischen Entwurmung orientiert sich die Behandlung an einem abgestimmten Plan. Dabei werden unter anderem das Alter der Pferde, die Haltung und die im Bestand relevanten Parasiten berücksichtigt.
ESCCAP empfiehlt für erwachsene Pferde grundsätzlich mindestens zwei Entwurmungen pro Jahr im Rahmen der strategischen Vorgehensweise. Je nach Befund und Risikosituation können weitere Maßnahmen notwendig sein. Kotprobenuntersuchungen helfen dabei, die Situation einzuschätzen und die Planung zu überprüfen.
Für Fohlen und junge Pferde gelten besondere Empfehlungen, da sie hinsichtlich bestimmter Parasiten anders zu beurteilen sind als erwachsene Pferde.
Beide Konzepte haben ihre Voraussetzungen und Grenzen. Welche Strategie sinnvoll ist, sollte deshalb gemeinsam mit der betreuenden Tierärztin oder dem Tierarzt entschieden werden.
Warum der gesamte Bestand eine Rolle spielt
Die Entwurmung betrifft nicht nur das einzelne Pferd. Auch die Bedingungen im Stall und auf der Weide beeinflussen, wie leicht sich Parasiten verbreiten und wie hoch das Risiko einer erneuten Infektion ist.
Zu einem sinnvollen Parasitenmanagement gehören deshalb auch Hygienemaßnahmen:
- Pferdeäpfel regelmäßig von der Weide absammeln.
- Stall und Ausläufe sauber halten.
- Neuzugänge nach einem abgestimmten Konzept kontrollieren und gegebenenfalls behandeln lassen.
- Kotuntersuchungen und Behandlungen im Bestand koordinieren.
- Bei Bedarf überprüfen lassen, ob ein eingesetztes Wurmmittel ausreichend wirkt.
Gerade bei Gruppenhaltung ist es sinnvoll, die Situation im gesamten Bestand zu betrachten. Ein einzelner unauffälliger Befund sagt nicht automatisch etwas über das Infektionsrisiko aller anderen Pferde aus.
Nicht nach Gefühl, sondern mit einem Plan
Eine sinnvolle Entwurmung bedeutet weder, grundsätzlich auf Wurmkuren zu verzichten, noch jedes Pferd ohne weitere Überlegung nach demselben Schema zu behandeln.
Wichtig sind ein passendes Entwurmungskonzept, regelmäßige Kontrollen und ein verantwortungsvoller Einsatz der Wirkstoffe. Dabei müssen Alter, Haltung, Parasitenrisiko und die Situation im Bestand berücksichtigt werden.
Wenn du unsicher bist, wie die Entwurmung für dein Pferd organisiert werden sollte, besprich das Vorgehen mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. Gemeinsam lässt sich klären, welche Untersuchungen sinnvoll sind und welche Strategie zu deinem Pferd und seiner Haltung passt.
Fachliche Quellen und weiterführende Informationen
- ESCCAP Deutschland: Selektive oder strategische Entwurmung beim Pferd?
- ESCCAP Deutschland: Informationen zur Entwurmung beim Pferd
- ESCCAP: Empfehlung zur Behandlung und Kontrolle gastrointestinaler Parasiten bei Pferden und anderen Equiden
- American Association of Equine Practitioners (AAEP): Internal Parasite Control Guidelines
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Beratung.